Johannes Hemetsberger
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Mein ganz persönlicher Blickwinkel

Irgendwelche kleine Geschichten geisterten schon immer in meinem Kopf herum und wuselten durch die unendlichen Weiten meiner Gedankenwelt. Irgendwann in der zweiten Hälfte meiner Hauptschulzeit begann ich dann meine träumerischen Ideen niederzuschreiben, indem ich ganze Hefte füllte. Ganz egal, ob ich nun irgendwelche Wesen mit den sonderbarsten Namen erfand oder Fantasieländer mit abenteuerlichen Völkern bevölkerte, ich war immer mit Feuereifer bei der Sache. Angestachelt durch die Sagen des klassischen Altertums oder jener der Nordländer, deren Geschichten ich mit Begeisterung verschlang, wurden meine Gedanken von einer Zeit beflügelt, deren zauberhafte Magie es versteht, mich noch heute zu betören. Wer die Abenteuer meines Guraners gelesen hat wird erahnen können, was ich meine. Doch mit dem Heranwachsen und Älterwerden kamen plötzlich auch andere Sachen zur Sprache, Dinge, die mich beschäftigten und darauf brannten, niedergeschrieben zu werden. Die Palette war groß und ist es noch immer, reicht sie doch von Liebe und Schmerz, Lachen und Weinen, über Freude und Leid bis hin zum Tod und der Frage, ob das denn alles war. Kurzum: Alles Themen, die ständig präsent sind, weil sie unaufhörlich wiederkehren und uns somit das ganze Leben lang begleiten. Man sagt zwar, dass der Mensch mit dem zunehmenden Alter gelassener und ein wenig weiser würde, doch auch, dass er liebgewonnene Gewohnheiten beibehalten sollte. Darum schreibe ich noch immer vieles davon auf, was ich sehe, erlebe und mir bewegend durch den Sinn geht, denn alles ist im Fließen und die Zeit bleibt ohnehin nicht stehen.



Die Geschichte des Monats

In dieser Rubrik erlaube ich mir in regelmäßigen Abständen eine kleine Geschichte zu veröffentlichen.

Otis Tyler war nie ein besonders feinfühliger Mann gewesen, dafür verstand er sein Handwerk bestens. Der Promi-Hairstylist galt als der Mann mit den magischen Händen und die reichen wie schönen Ladies ließen sich nur zu gerne von ihnen verwöhnen. Doch nun hatte man ihn ermordet, nachts in einer stillen Straße, was die prominente Damenwelt in eine kollektive Trauerstimmung verfallen ließ. Eine Hauptverdächtige war schnell gefunden, doch Leo, der diesen Fall übernahm, glaubte nicht an ihre Schuld. Also machte er sich auf die Suche nach dem wahren Mörder, eine Suche, die sich als sehr verzwickt und langwierig herausstellen sollte… Ein kleiner Auszug aus meiner Krimi-Romanheftreihe Leo King

Der Tod kam nachts im Regen

Es war ein dünner Schrei. Er war nur kurz auf der menschenleeren, nächtlichen Straße zu hören, dann verlor er sich zwischen den Hochhäusern und dem sternenlosen Himmel. Der Schrei drückte mehr Schmerz als Angst aus, so als wüsste die Frau, die ihn ausgestoßen hatte, dass die Situation hoffnungslos war.
„Hilfe! Hilfe! - Mein Gott, warum hilft mir denn niemand!“
Der Regen dämpfte ihre Stimme, als sie es weiter versuchte, durch die dunklen Häuserwände hinein in die lichterfüllten Wohnungen zu dringen.
„Helfen Sie mir! – Bitte, will mir nicht jemand helfen?“
Obwohl man sie hörte, ging niemand in den Häusern ans Fenster, stattdessen schlug ihr eine kalte Welle von Desinteresse entgegen. Die Leute nahmen wohl an, dass da eine Betrunkene herumschrie oder sie glaubten an einen häuslichen Streit, in den sie nicht verwickelt werden wollten. Denn hier in diesem Viertel gehörte das zur Tagesordnung und die Leute nahmen diese Vorfälle allenfalls zur Kenntnis und damit hatte es sich auch schon.
Nur Lewis O´Donnell war neugierig. Der Rentner war vor dem Fernseher eingeschlafen und von den Schreien, die unweit erklangen, aufgeschreckt. Traumtrunken warf er die Decke beiseite, erhob sich vom Wohnzimmersofa, schlurfte zum Fenster und blinzelte hinaus.
Er blickte auf den, mit einem Drahtzaun umgebenen, Parkplatz, der an das Haus grenzte, in dem er wohnte. Die erst kürzlich aufgestellten, neuen Straßenlampen tauchten diesen in ein helles, schattenloses Licht. Der Rentner konnte trotz des schweren Regens den gesamten Parkplatz, einen Teil der Hauptstraße und fast den ganzen Block überblicken. Nur ein kleiner Streifen des Gehsteigs, der an seinem Haus entlang verlief, blieb ins Dunkel getaucht.
Lewis O´Donnell starrte auf die Frau, die schreiend im Regen stand. Sie schien allein zu sein, denn weit und breit konnte er niemand anderen entdecken. Für einen kurzen Augenblick war er versucht die Polizei zu rufen, doch dann trat er achselzuckend vom Fenster weg und schlüpfte wieder unter die Couchdecke.
Es war hässlich, wenn Frauen betrunken und allein nachts herumgeisterten, besonders dann, wenn sie jung und schwanger waren.
Während der Rentner wieder schläfrig in den Fernseher schaute, zerfetzte unten auf dem Parkplatz ein letzter, verzweifelt ausgestoßener Schrei die Stille der Nacht.
Es hat keinen Sinn um Hilfe zu rufen, dachte Lorena. Niemand würde ihr zu Hilfe kommen. Die Leute hier scherten sich einen Teufel um sie.
Regen strömte über ihr dunkles Haar und vermischte sich mit den Tränen, die über ihr schmales, blasses Gesicht flossen. Es hatte keinen Zweck.
Lorena Tyler ballte die Faust und schüttelte sie gegen die erleuchteten Fenster.
Die Leute hier in diesem Viertel, ja der ganzen Stadt, kümmerten sich nur um sie selbst!                 
Verzweifelt starrte sie auf ihr Handy, während sie ungeduldig auf und ab trippelte.
Oh Gott, hilf mir! Lass die Cops gleich hier sein!                  
Lorena beschloss ihnen ein Stück entgegenzugehen. Sie rannte, so schnell und gut wie sie es vermochte, vom Parkplatz weg bis zur Straßenkreuzung.  Es regnete jetzt stärker, doch Lorena spürte weder den Regen noch die Kälte, als sie suchend die Straße entlanglief.
Da bog plötzlich ein Auto um die Ecke und fuhr auf sie zu.
Der Fahrer hatte die Scheibenwischer auf Höchstgeschwindigkeit eingestellt und das Licht der Scheinwerfer fiel auf eine junge, schwangere Frau in einem knielangen, durchnässten Rock und einer Jacke.
Sie trug weder Hut noch Mantel und der Regen rann in Strömen von ihr. Doch der Fahrer ignorierte ihr verzweifeltes Winken, sondern verriss hart das Lenkrad und brauste ungebremst an ihr vorüber.
Mutlos ließ Lorena die Arme sinken und starrte dem Wagen hinterher.
Es war eine Schande!
Sie ging langsam, weil müde, den Block entlang auf die nächste Kreuzung zu. Dort, auf der zweiundachtzigsten Straße, war es auch um diese Zeit noch belebt. Hier gab es Geschäfte, Bars und Restaurants, die die ganze Nacht geöffnet hatten. Irgendwo dort würde sie jemanden antreffen, der ihr helfen würde.
Lorena aber kam nicht bis zur zweiundachtzigsten Straße, denn in der Mitte des Blocks wurde sie von jenem Streifenwagen aufgelesen, der aufgrund ihres Anrufs in der Notrufzentrale losgefahren war.
Die Streifenbeamten Quentin und Burton trafen kurz nach zwei Uhr auf die junge Frau. Sie näherten sich ihr von hinten und als sie sie überholten erkannten sie sofort, dass sie die Anruferin gewesen sein musste, denn die Frau befand sich in einem Schockzustand.
Die beiden Cops sahen sich resigniert an. Im Streifenwagen war es trocken und warm, während es draußen wie aus vollen Eimern goss.
Quentin, der auf dem Beifahrersitz saß, seufzte und öffnete die Tür.
„Ma´am?“, rief er laut in den dunklen Regen.
Keine Antwort. Also musste er wohl doch aussteigen.
„Ma´am?“, wiederholte der Cop und ging auf sie zu, so dass er ihr ins Gesicht blicken konnte. „Haben Sie den Notruf  getätigt?“
Lorena Tyler sah ihn einen Augenblick verständnislos an, ehe sie begriff, dass ihre Suche nun ein Ende gefunden hatte.
„Ja, oh ja …“, stammelte sie. „Gott sei Dank, dass Sie hier sind. - Otis, mein Mann, ist verletzt … angeschossen. Er liegt auf der Straße.-  Ja, ich habe Sie angerufen, doch es hat so lange gedauert … Darum wollte ich Hilfe holen. – Bitte, kommen Sie mit mir! Beeilen Sie sich, schnell!“
„Wo ist er denn?“, fragte Quentin.
„Diese Richtung!“, rief sie und zerrte ihn am Ärmel. „Ich zeige es Ihnen. - Schnell, kommen Sie!“
„Steigen Sie ein, Ma´am“, erwiderte der Cop. „Wir fahren. Das geht um einiges schneller.“
Der Mann ergriff ihren Arm und ließ sie hinten einsteigen.
„Wohin müssen wir, Ma´am?“, fragte Tony Burton, der hinter dem Steuer saß.
„Hier entlang“, kommandierte sie aufgeregt. „Sie kennen doch den Parkplatz hinter der ehemaligen Großtischlerei Tully. Dort müssen wir hin!“
Obwohl die lang ausgestreckte Gestalt im Schatten der geparkten Autos lag, konnten die Cops sie schon von weitem sehen. Sie hielten mit dem Streifenwagen ein paar Autolängen entfernt davor.
Lorena Tyler riss die Wagentür auf, stürzte aus dem Auto und lief zu dem Mann, der reglos auf dem Pflaster lag.
„Otis! Otis! Ich bin da!“
Abrupt hörte sie auf zu sprechen und schrie: „Mein Gott! Was ist geschehen! - Otis! Was haben sie mit dir gemacht!“
Quentin konnte mit knapper Not verhindern, dass sie sich auf das Opfer warf.
„Sehen Sie ihn an … Sein Gesicht …“, wimmerte sie.            
Er sah aus, als ob auf ihm herumgetrampelt worden wäre. Sein Gesicht war nur noch eine blutige Masse. Auf seiner Jacke und seinem Hemd waren Schmutzspuren.
„Er sah nicht so aus, als ich ihn verlassen habe. Was ist geschehen?“, wimmerte sie. „Er lag auf dem Bauch mit dem Gesicht nach unten … Ich habe ihn mit meinem Regenmantel zugedeckt … ich habe ihn doch zugedeckt …“
Lorena Tyler schluchzte laut und wurde dabei von Krämpfen geschüttelt.
„Ruf einen Krankenwagen“, rief Quentin seinem Kollegen zu, während er sich neben dem Opfer niederkniete.  „Vergiss den Krankenwagen, Tony. Verständige die Mordkommission!“
„Nein!“, schrie sie laut.
Quentin sprang auf, doch dieses Mal konnte er die Frau nicht aufhalten. Lorena Tyler warf sich über den Körper ihres toten Mannes.
„Bitte, Ma´am“, bat er sie eindringlich. „Stehen Sie auf. Sie sollten ihn nicht berühren. Bitte!“
Quentin streckte die Hand aus um ihr aufzuhelfen, doch da war die Frau bereits zusammengesackt. „Komm schnell, Tony, und hilf mir!“, rief er seinem Kollegen zu. „Sie ist ohnmächtig geworden!“ 


 

 

 

 


Leo King

Die spannende Sex and Crime – Romanheftreihe

Seit geraumer Zeit zitterten die Menschen dieser Stadt vor den Taten einer heimtückischen Kidnapperbande, die sie in Angst und Schrecken versetzte. Die Zeitungen hatten ihnen den reißerischen Namen Puppenräuber verpasst, weil die leidvoll betroffenen Opfer dieser Bande durchwegs jung, blond, hübsch und weiblich waren. Schließlich ging es hier um Entführung und wahrscheinlich auch skrupellosem Menschenhandel, denn die Frauen verschwanden einfach von der Bildfläche und tauchten nicht mehr wieder auf. Die Täter gingen dabei äußerst raffiniert vor und hinterließen kaum verwertbare Spuren, was ein erfolgreiches Aufgreifen dieser Bande sehr schwierig machte. Die Polizei war ratlos und ihre Statements äußerst dürftig. Man habe eine Sonderkommission gebildet, mit dem Ziel diese Puppenräuber in Bälde zu fassen, hieß es knapp und wortkarg, doch in der Stadt brodelte es und man konnte förmlich riechen, dass sich die Ermittlungsbeamten im Kreis drehten. Sie jagten ein Phantom und die Leute wussten es. Darum wandte sich Captain Herberts vom Police Departement hilfesuchend an einen Mann, der früher selbst einmal die Cop-Uniform getragen hatte und die dunklen Viertel dieser Stadt und seine Gestalten bestens kannte, weil er längst einer der ihren geworden war. Leo King war nämlich Privatdetektiv und darauf spezialisiert, in schmutzigen Geheimnissen anderer Leute herumzuschnüffeln und manches davon ans Licht zu bringen. Um ihn zu finden benötigte man nicht unbedingt einen Termin, denn meistens hing er sowieso am Tresen seiner Stammkneipe, des Christies, herum. Im Augenblick aber hatte Leo keinen Klienten und sein Konto war wie immer bereits stark überzogen. Er durfte also nicht wählerisch sein und musste deshalb annehmen, was er kriegen konnte. Und so geriet er in die Turbulenzen mit Miss Lola und Ted Keene, einem blutigen Saxophon und einer Garderobenfrau, die damit erschlagen wurde …



Gedankensplitter 2

Buchrückentext aus dem Kurzgeschichtenband "Gedankensplitter 2"

Der Autor und Musiker Christian Hinterauer schreibt bereits seit seiner Jugend. Dieser Umgang mit Schrift und Papier, Noten und Klängen ließ ihn seither nicht mehr los, sondern begleitete ihn fortan beruflich wie privat durch sein Leben. Denn es gibt nichts Schöneres, wenn sich Töne und Wörter in einem bilden, zu wachsen beginnen und sich schließlich zu einem schönen Ganzen zusammenfügen. Es ist ein kreativer Wasserfall, der hoffentlich niemals versiegt. Bestärkt und beseelt von dieser inneren Kraft ist es zu seiner Passion geworden, das was ihn bewegt in Geschichten und Liedern zum Ausdruck zu bringen und mit all jenen, die sich darauf einlassen wollen, uneingeschränkt zu teilen. In diesem Kurzgeschichtenband finden sich also vielerlei Gedanken und Themen, die Hinterauer zu Papier gebracht hat. Sie reichen von seinem Faible für das abenteuerliche Mittelalter, über die bunte Vielfalt des gar nicht so grauen Alltags, dem Betreten jener verschwiegenen Gassen der sündigen Stadt Erotica, bis hin zum tiefen Kramen in der Beziehungskiste. Gedankensplitter eben, denn seine Fantasie kennt keine Grenzen.

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Rehbraunfarben

Leseprobe aus dem Kurzgeschichtenband "Gedankensplitter 2"
Ein Gedankensplitter über einen charmanten Augenzauber, der eiserne Prinzipien ins Wanken bringt und plötzlich Dinge geschehen lässt, die bislang eigentlich unvorstellbar gewesen waren. Ein Tagtraum der besonderen Art.

Mit kräftigen Armbewegungen schob Markus den Rasenmäher durch den Garten.
Rasant kurvte er dabei mit dem knatternden Grasvertilger zwischen den zahlreichen Blumenarrangements herum. Zum Glück hatte Claudia alles mit Rasensteinen eingefasst, also konnte nichts schiefgehen und er somit keinen größeren botanischen Flurschaden anrichten.
Markus grinste fröhlich.
Bis vor kurzem war das Gefahrenpotential hier noch um einiges höher gewesen, denn da war es durchaus vorgekommen, dass er manchmal nicht nur das Gras allein niedergemäht hatte.
Ihm dabei aber böse Absicht zu unterstellen wäre unfair gewesen, denn er besaß nun mal eben keinen grünen Daumen wie seine Frau. Für ihn sahen nämlich alle Gräser und Kräuter irgendwie gleich aus, doch Claudia hatte reagiert und ihr Reich jetzt quasi idiotensicher gemacht.          
Immer wieder fuhr sich Markus mit dem Arm über die schwitzende Stirn. Obwohl es noch früher Vormittag war, brannte die Sonne schon ordentlich vom Himmel herunter.
Bestimmt wäre es jetzt am Badeplatz angenehmer, doch heute kamen die Freundinnen von Claudia zu Besuch und er hatte ihr versprochen, den Rasen zu mähen, damit die Damenrunde im Grünen sitzen konnte.
Schließlich war die Arbeit getan und der Rasen auf dem Centercourt in Wimbledon präsentierte sich bestimmt auch nicht gepflegter.
Markus hatte, wie von seiner Claudia verlangt, den Grasschnitt unter die Sträucher gegeben und nachdem er den Rasenmäher gesäubert hatte, war endlich Feierabend. Ein wenig abgekämpft schlurfte er ins Haus und begab sich unter die Dusche.
Da es gegen Mittag zuging, holte er sich ein Bier aus dem Kühlschrank und schob eine Tiefkühlpizza ins Rohr. Um die Wartezeit darauf zu überbrücken, stellte er den Fernseher an und warf sich auf die Couch. Markus war noch gar nicht richtig zum Durchzappen gekommen, als es an der Haustür läutete.
Nanu, wer konnte das denn sein! Der Briefträger jedenfalls nicht, denn diesem war er zuvor bereits begegnet.
War Claudia etwa schon vom Einkaufen zurück?
Markus öffnete die Haustür und staunte nicht schlecht, denn vor ihm stand eine junge Frau. Sie trug ein helles Sommerkleid und ihre nackten Füße steckten in brauen Sandalen.
Langes, welliges Haar umrahmte ein hübsches Gesicht, das ihn freundlich anlächelte. Doch am hellsten strahlten ihre rehbraunfarbenen Augen, in denen sich das Sonnenlicht zu spiegeln schien.
„Hallo!“, sagte sie mit warmer Stimme. „Hätten Sie ein paar Minuten Zeit für mich?“
„Worum geht’s denn?“, fragte Markus, obwohl er schon ahnte, worauf dieser Überfall hinauslief.
Abschätzend musterte er sein Gegenüber und die braune Umhängtasche, die an ihrer Schulter hing.
Bestimmt war dieses Fräulein da eine von der Sorte, die von Haus zu Haus zog, um den Leuten irgendetwas anzudrehen. Trotzdem passte sie nicht so recht zu denjenigen dieses Schlages, die sonst auf seiner Fußmatte herumtrampelten, denn auf den ersten Blick gesehen wirkte sie eigentlich ganz nett.
Vielleicht sogar ein wenig zu nett. 
Denn eine alternativ angehauchte, strickjackentragende Ökö-Tante von Greenpeace sah anders aus und für eine Bibeltreue von den Zeugen Jehovas kam sie Markus einfach zu wenig streng konservativ oder staubtrocken bieder vor.
Vielleicht war die Kleine da von einem Lesezirkel oder Amnesty International oder sie wollte ihm als arme Kunststudentin eines ihrer selbstgemalten Bilder verkaufen.
Jedenfalls war dieses Fräulein nicht nur zum freundlich Hallo-Sagen vorbeigekommen und das bewies sie ihm auch sogleich.
„Ich bin von der Österreichischen Rettungshundebrigade“, legte sie mit eifrigem Tonfall los. „Sie werden bestimmt schon von uns und unserer Arbeit gehört haben. Die Aufgabe der ÖRHB ist die Suche nach verschütteten, verletzten oder verirrten Personen, sowie die nachfolgende Erste Hilfe-Stellung. Auch sind wir in der Katastrophenhilfe im In- und Ausland beteiligt.“
Also doch so eine, dachte sich Markus und legte wenig begeistert darüber seine Stirn in Falten.
Sie aber warf ihm einen überzeugten Blick aus ihren rehbraunfarbenen Augen zu und kramte dann geschäftig in ihrer Umhängetasche herum.
Bevor Markus dazu kam den Mund zu öffnen, hielt sie ihm bereits einen bunten Folder unter die Nase.
„Hier, bitte sehr, ein wenig Informationsmaterial“, fuhr sie erklärend fort und begann das Heftchen aufzuschlagen. „In dieser Broschüre finden Sie alles über die Ausbildung unserer freiwilligen Rettungshundeführer und Helfer, sowie deren vierbeinigen Suchhunden. Wir hoffen Ihnen so einen kleinen Einblick in unsere Arbeit bieten zu können und wünschen viel Spaß beim Durchblättern.“
Markus beugte sich ein wenig näher an dieses Fräulein heran, während er den Folder entgegennahm. Dabei erhaschte seine Nase einen Hauch vom Duft ihres zarten Parfüms oder waren es ihre Haare, die so gut rochen?
Verstohlen glitt sein Blick vom kleinen Muttermal an ihrem Hals aufwärts über ihr lächelndes Gesicht und blieb schließlich an ihren rehbraunfarbenen Augen hängen, die ihm offen und ohne Scheu entgegenblickten.
„Natürlich kostet das alles Geld und wir von der ÖRHB sind darum auf Ihre Hilfe angewiesen“, hörte er das Mädchen wie von weitem sagen. „Unterstützen auch Sie deshalb unsere Rettungshundeteams mit Ihrer Spende. Es ist ganz einfach und kostet auch nicht viel. Wenn Sie möchten, erkläre ich Ihnen die Zahlungsmodalitäten!“
Normalerweise hätte Markus spätestens jetzt die Bremse gezogen und dieses Gespräch, dass auf das Übliche hinauslief, mit ein paar kurz angebundenen Worten beendet, um anschließend seinem Gegenüber die Tür vor der Nase zuzuschlagen, doch er tat es nicht. Stattdessen versank sein Blick in der samtenen Tiefe ihrer rehbraunfarbenen Augen.
Das Fräulein redete und erklärte, doch er hörte nur mit halbem Ohr zu.
Seine eigentliche Aufmerksamkeit galt indessen ihrer Erscheinung, die ihm immer besser gefiel. Sie wurde Markus zusehends sympathischer und ihr bezauberndes Wesen hatte ihn längst gefangen genommen, ja sogar ein klein wenig verhext.
Dieses Mädchen war so erfrischend natürlich und unbefangen, dass er gar nicht glauben konnte, dass sie in Wahrheit eigentlich auch nur eine von diesen süßholzraspelnden Spendenkeilerinnen war.
Denn die Tatsache, dass sie ihm Geld aus der Tasche ziehen wollte, lag derart offensichtlich auf der Hand und sie machte eigentlich gar kein Hehl daraus, aber konnten diese schönen Augen wirklich so hinterhältig und gemein sein?
Wieder tauchte er in den Blick ihrer rehbraunfarbenen Augen ein. Dort war und fand er so viel, dass ihm Ruhe und Wohlsein brachte.
Träumerisch streifte Markus durch das bunte Farbenkleid eines herbstlichen Waldes und atmete die frische Luft, während seine Füße durch den laubbedeckten Boden raschelten. Er sah die Sonne durch das Blattgewirr der Bäume funkeln, Tautropfen gleißten auf fein gesponnenen Spinnweben und von irgendwoher erklang das helle Lachen einer Frau.
Alles war so friedlich und voller Schönheit, dass er gar nicht mehr von dort fort wollte.   
Markus kannte sich selbst kaum wieder.
War hier etwa eine Art Feenzauber im Gange oder warum fühlte er sich sonst so tiefenentspannt. Eingelullt und betört von ihrer freundlichen Ausstrahlung tat er etwas, dass ihm sonst niemals eingefallen wäre.
Beinah wie in Trance griff er großherzig zum Stift und unterschrieb das Formular, welches sie ihm hinhielt.
Gleich darauf hatte das Mädchen alles in ihrer Umhängetasche verstaut und wandte sich zum Gehen.
„Vielen Dank im Namen der Österreichischen Rettungshundebrigade. Sie werden Ihre Großzügigkeit nicht bereuen“, hörte er sie sagen. „Schönen Tag noch! Vielleicht sieht man sich ja mal wieder!“
Das Fräulein schenkte ihm zum Abschied ein bezauberndes Lächeln und ihre rehbraunfarbenen Augen leuchteten dabei mit der Sonne um die Wette. Dann sprang sie leichtfüßig und mit wehendem Rock die paar Stufen zur Straße hinunter und verschwand schließlich zwischen den Häusern seiner Nachbarschaft.
Markus sah ihr noch eine Weile hinterher, ehe er langsam wieder aus seiner träumerischen Stimmung erwachte. Erst jetzt fiel sein Blick genauer auf das unterschriebene Formular und gleich darauf wäre er am liebsten in einen Schreikrampf verfallen.
Worauf hatte er sich denn da eingelassen! Claudia würde ihm dafür bestimmt ordentlich den Kopf waschen!
Diese Gelegenheit dafür ergab sich bereits wenig später, nämlich, als seine bessere Hälfte vom Einkaufen zurückkam und das Formular in die Hand nahm.
„Was ist denn in dich gefahren! Du bist ja auf einmal die Großzügigkeit in Person!“, monierte seine Frau leicht sarkastisch. „Fünf Euro monatlich und das gleich vertraglich gebundene zehn Jahre lang! Hätte ich mir nicht gedacht, dass dich wirklich mal jemand zum Spenden rumkriegt! Sag, wer hat das geschafft: Irgend so eine hübsche Puppe vielleicht?“
Typisch Claudia! War er denn wirklich so leicht zu durchschauen?
„Ach, weißt du, da war so ein Kerl, der hat derart überzeugend geredet, dass ich mich eben von ihm breitschlagen ließ!“, brummte Markus. „Kommt unter Garantie nicht wieder vor!“
Seine Frau ließ es damit bewenden und wandte sich kopfschüttelnd anderen Dingen zu. Markus aber schloss kurz die Augen und sogleich sah er das sympathische Fräulein wieder vor sich.
Roch den Duft ihres zarten Parfums, lauschte dem freundlichen Tonfall ihrer Stimme und ging erneut durch diesen bunten Wald, in dem er so viel Frieden und Ruhe fand.
Wieder läutete es an der Haustür, doch dieses Mal waren es die Freundinnen, die zu seiner Claudia auf Besuch kamen. Grinsend und etwas erleichtert darüber warf sich Markus neuerlich auf die Couch.
Noch einmal würde er sich nicht rumkriegen lassen, aber gegen die sanfte Magie dieser rehbraunfarbenen Augen hatte selbst sein standhaftes Verweigern, das er diesen Spendenkeilern stets gegenüber brachte, nichts entgegenzusetzen gehabt.
Trotzdem hielt sich sein Unmut in Grenzen, denn schließlich hatte er etwas viel Schöneres von diesem bezaubernden Wesen erhalten.
Nämlich einen wunderbaren Tagtraum, der nur ihm gehörte und hoffentlich noch lange in seinem Kopf lebendig blieb.
Doch davon brauchte Claudia nicht unbedingt etwas zu erfahren.



 

 


Gedankensplitter

Buchrückentext aus dem Kurzgeschichtenband "Gedankensplitter"

Wenn man hobelt, fallen Späne, heißt es in einem Sprichwort. Umgelegt auf die Person von Christian Hinterauer könnte man sagen: Wenn er schreibt, dann fallen Splitter. Genauer gesagt, Gedankensplitter. Seine Kurzgeschichten, die ihn schon sein halbes Leben lang begleiten, spannen einen großen Bogen und lassen dabei auch ein wenig in das Innere des Autors blicken. Von amüsant bis nachdenklich, heiter wie auch skurril, ernst und bissig, träumerisch oder erotisch – die Palette ist bunt und Hinterauer nimmt sich dabei kein Blatt vor den Mund. Gewürzt mit Illustrationen befreundeter Künstler entstand ein lebhafter Erzählband, der jedes neugierige Augenpaar durch die unendlichen Weiten der gedanklichen Fantasiewelt des Autors führt. Gehen Sie mit auf die Reise und erleben Sie seine Gedankensplitter aus ihrem persönlichen Blickwinkel. Was kann da noch schiefgehen!

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Nachtgeschichten

Leseprobe aus dem Kurzgeschichtenband "Gedankensplitter"
Der Großteil dieser Geschichte spiegelt einen Hauptschulaufsatz aus dem Jahr 1974/75 wieder. Seine Bilder blieben in mir so nachhaltig haften, dass es mir vor einigen Jahren ein Bedürfnis war, diese Geschichte noch einmal aufzugreifen und fertigzustellen. Die Zeichnung dazu stammt von meiner Tochter Angelika, deren Finger es geschickt verstehen, mit wenigen Strichen ein ausdrucksstarkes Bild entstehen zu lassen.

Na bravo! Paul wälzt sich ärgerlich im Bett herum. Tiefste Nacht und ich kann immer noch nicht einschlafen. Dabei muss ich doch morgen früh zeitig raus!
Passiert mir eigentlich ganz selten, dass ich nicht zur Ruhe komme, denkt er sich verdrossen und ist auf sich selber ein wenig böse.
Habe ich vielleicht doch zu viel Kaffee getrunken? Eher kaum, das macht mir normalerweise gar nichts aus. Könnte ich literweise trinken, das Zeugs. Das montone Ticken des Weckers kann es auch nicht sein, eigentlich höre ich das gar nicht mehr, außer ich versteife mich darauf, was manchmal vorkommt. Dafür reißt mich sein lärmendes Gebimmel jeden Morgen gnadenlos aus den schönsten Träumen.
Paul liegt da und grübelt vor sich hin. Der fahle Schimmer des Vollmondes fällt in sein Zimmer und ein langer, breiter Lichtstreifen zieht sich quer über seine Bettdecke bis hin zur Wand, um dort in einem beinah fenstergroßen Bild zu enden.
Jetzt habe ich endgültig genug, denkt sich Paul und steht auf.
Er zieht sich an und beschließt einen kleinen Nachtspaziergang zu unternehmen. Das ist nichts Besonderes und macht er eigentlich immer, wenn er nicht schlafen kann.
Er verlässt das Haus, greift in seine Tasche und zündet sich eine Zigarette an. Paul nimmt einen ersten, tiefen Zug und lässt genussvoll den warmen Rauch durch seine Nase strömen. Die Nacht ist angenehm lau und der Himmel sternenklar.
Das sind meine Nächte, so liebe ich sie, denkt er sich und da er noch immer keine Müdigkeit verspürt, marschiert er einfach los.
Gedankenverloren geht er durch die Dunkelheit und streunt ziellos durch die Gassen. Plötzlich reißt es ihn aus seinen tiefen Gedanken, er hebt den Kopf und blickt sich verwundert um. Er muss wohl weiter als beabsichtigt gegangen sein, denn die Gegend hier kommt ihm gänzlich unbekannt und einsam vor. Er steht zwar auf einer beleuchten Straße, jedoch ist weit und breit keine Menschenseele oder Haus zu sehen.
Da habe ich mich aber ordentlich verlaufen, denkt sich Paul und blickt sich suchend um.
Zum Glück tauchen auf einmal die Lichtkegel eines Scheinwerferpaares auf, das sich ihm nähert. Sie werden rasch größer und Paul sieht mit spürbarer Erleichterung ein Auto auf sich zukommen. Wow, es ist eine dieser langen, schwarzen Limousinen, wie man sie sonst nur aus den Filmen kennt.
Steiles Promigefährt, soll ich es wagen? Aber sicher doch!
Er tritt in den Schein der nächsten Straßenlaterne und winkt mit beiden Händen.
Gottlob, der Wagen hält und Paul nähert sich der Fahrertür. Er beugt sich hinunter und will gerade fragen, ob er ein Stück des Weges mitfahren kann, als sich das Wagenfenster einen kleinen Spalt öffnet. Aus dem dunklen Inneren erklingt eine Stimme und der hohle, leblose Bass lässt Paul merklich erschauern.
"Steigen Sie ein!"
Paul beugt sich weiter vor und will einen genauen Blick auf den Sprecher dieser Worte werfen, doch der Versuch bleibt ihm verwehrt, da die Limousine getöntes Fensterglas besitzt. Sogar am Tag wäre er da blind wie ein Maulwurf gewesen.
"Einsteigen, ich warte nicht ewig!", erklingt es nun ziemlich unverschämt fordernd.
Aber ich habe doch noch gar nichts gesagt, denkt sich Paul verwundert und das ungute Gefühl in seiner Magengegend verstärkt sich.
Es ist nämlich nicht unbedingt seine Art in wildfremde Autos zu steigen, schon gar nicht zu so einer späten Stunde. Aber da ich mich nun einmal verlaufen habe, werde ich wohl über meinen Schatten springen müssen. Denn ohne die Hilfe durch diesen Wagen muss ich wahrscheinlich sonst den ganzen Weg den Rest der Nacht zurück marschieren.
"Steigen Sie endlich ein!"
Der leblos klingende Bass ertönt abermals und reißt Paul aus seinen lethargischen Überlegungen. Kurz entschlossen öffnet er die Tür hinter dem Fahrer und steigt ein.
Er lässt sich mit einer unverschämten Lässigkeit auf die weich gepolsterte Rückbank der Limousine fallen, unterdrückt mit Gewalt das in ihm aufkeimende Stargehabe und fragt höflich, weil gut erzogen, in Richtung Chauffeur: "Könnten Sie mich bitte zur Stadt mitnehmen? Ich habe mich nämlich blöderweise in der Dunkelheit verlaufen und dabei etwas die Orientierung verloren. Dafür wäre ich Ihnen echt dankbar."
Der Fahrer nickt nur, spricht jedoch kein Wort. Schwein gehabt, denkt sich Paul und reibt sich zufrieden die Hände.
Mehr höflichkeitshalber, in Wahrheit jedoch seine Nervosität hinter der nagenden Unsicherheit zu verstecken versuchend, bemüht er sich mehrmals mit dem Mann ins Gespräch zu kommen, doch dieser zeigt keine Bereitschaft, ihm zu antworten.
Scheint ein ziemlich einsilbiger Kerl zu sein, denkt sich Paul. Bei den oberen Zehntausend ist wohl noble Zurückhaltung gefragt.
Um sich von seinen leichten Panikattacken abzulenken, sieht er sich im Wagen etwas genauer um. Paul ist, trotz der Dunkelheit, fasziniert von der Größe und Ausstattung dieser Limousine. Reich und prominent müsste man sein, dann gehört dieser Luxus zum täglichen Standard.
Ich werde die paar Kilometer nach Hause genießen, denn wer weiß, ob ich jemals noch einmal diese Vergnügen haben werde. Sacht streichen seine Finger über die weiche Polsterung und das edle Holz. Seine Betrachtungen nehmen ihn dermaßen in Anspruch, dass er ganz auf die Zeit vergisst.
Als Paul wieder einmal aus dem Fenster sieht, bemerkt er zu seinem Schrecken, dass es draußen keinerlei Beleuchtung mehr gibt, weder von der Straße, geschweige denn der hellen Lichter der Stadt. Wo fährt mich denn der Kerl nur hin?, denkt er sich erschrocken und lässt alle Zurückhaltung fallen.
Als er den Chauffeur mehrmals darauf anspricht und noch immer keine Antwort erhält, packt ihn die helle Angst. Der will mich entführen oder weiß Gott was mit mir anstellen, denkt sich Paul entsetzt. Die Zeitungen sind doch täglich voll von solchen Geschichten. Schreckliche Gedanken rasen durch seinen verstörten Kopf.
Er stößt die Wagentür auf, was bei der hohen Geschwindigkeit gar nicht so einfach ist, da der Fahrtwind mächtig dagegen drückt. Mutlos und verzweifelt starrt er in die rabenschwarze Nacht. Was treib ich Wahnsinniger da nur, hab ich den Verstand verloren? Ich bin schließlich doch kein Stuntman, der hier irgendwelche gefährliche Spielchen durchzuführen hat!
Schon will Paul die Tür wieder zuziehen, als der Fahrer ein dumpfes Lachen von sich gibt, dass ihm beinahe das Blut in den Adern stocken lässt. Immer wieder lacht der Kerl und es scheint kein Ende nehmen zu wollen.
Paul hält inne. Noch immer bläst der Fahrtwind in sein Gesicht, doch es schreckt ihn nicht mehr, denn er bemerkt es nicht einmal. Sein Hirn hat längst aufgehört zu arbeiten. Pure Verzweiflung überwindet alle Angst und sein blankes Entsetzen ist tausendmal stärker als die Furcht, die sein Herz umklammert. Also springt er, ohne länger nachzudenken, aus dem Wagen hinaus in die Dunkelheit. Schwer schlägt sein Körper auf dem Boden auf und rollt ein kleines Stück einen Abhang hinunter. Stöhnend richtet er sich auf und reibt seine linke Schulter, die höllisch schmerzt.
Vorsichtig tappt Paul den Hang hinauf zur Straße, jederzeit darauf gefasst, das Quietschen bremsender Reifen zu vernehmen. Doch zu seinem Erstaunen fährt die Limousine einfach weiter und verschwindet schließlich in der Dunkelheit.
Dass der Fahrer meinen Ausstieg nicht mitbekommen hat, ist schon eigenartig, denkt er sich und ist doch froh darüber, dass alles so glimpflich ausgegangen ist.
Über aller Anspannung, die nun langsam verfliegt, siegt schließlich die Coolness.
So eine Scheiße, murrt er. Stellt sich nun die alles entscheidende Frage, wo ich jetzt gelandet bin. Wahrscheinlich mitten in der Pampa!
Seine Augen haben sich inzwischen an das Dunkel gewöhnt und so sieht er sich neugierig um. Da scheint es ihm, als ob sich in einiger Entfernung die Umrisse eines Hauses befänden.
Langsam geht er darauf zu ...

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